Zurück Kurier Wie Kinder die Freude am Schnee entdecken
Suchen Rubriken 10. Dez.
Schließen
Anzeige
Aktualisiert8. Jan. 6:00

Wie Kinder die Freude am Schnee entdecken

Kurier
Wenn es schneit, johlt jedes Kind. Der erste Kontakt ist widerlich, aber die Liebe kommt rasch. Schließlich haben Eltern den Ehrgeiz, dem Nachwuchs das Nationalelement näher zu bringen. Ein Erfahrungsbericht. Früher oder später versuchen fast alle Eltern, ihren Spross mit der Grundlage des österreichischen Selbstbewusstseins bekannt zu machen. Was Ahnungslose "Sport" nennen, ist hierzulande Kulturtechnik, die uns immer wieder in den Größenwahn und die Annahme treibt, dass Österreich unschlagbar wäre. Also wollen Eltern, dass ihre Kinder Skifahren lernen. Auch ich. Als Sohn Valentin einundzwanzig Monate alt war, beteuerten mir alle Skischulen, dass dieser Sport erst mit zweieinhalb Jahren funktioniere. Ihre Vehemenz befeuerte mich nur, ich hielt es für eine List der Westösterreicher, die ihnen den Ski-Vorsprung gegenüber Wienern sichern sollte. Ich kramte im Hirn meine alte Reiseweisheit "Glaube nie Einheimischen" hervor und erklärte das Projekt für eröffnet, es übe sich früh, wer einmal ein übermotivierter Fußball-Papa werden will: zeigte Valentin jedes TV-Skirennen, wies subtil darauf hin, wie super Skifahren ist, und erstand 26er-Skischuhe. Sein Interesse blieb überschaubar. Wenn schon nicht Skifahren, dann wollen Eltern dem Nachwuchs zumindest das fantastische Element Schnee näherbringen, der erste Winter ist wie der erste Weihnachtsbaum. Dabei behilflich ist der Tourismus, auf viele Dreitausender wurden Winter-Wonderländer gesetzt, auf das Kitzsteinhorn wie den Dachstein wie die Zillertaler Berge. Wo Gletscher ist, ist Disneyland – der deutsche Dichter Joachim Ringelnatz lag falsch, als er schrieb: "Der Schnee ist weiß, wo nicht Menschen sind. Der Schnee ist weiß für jedes Kind." Auf dem Weg zum Skidebüt starrte Valentin auf das weiße Was und durchstapfte es im dicken Overall neugierig wie ein Welpe und unerschrocken wie eine Pistenraupe. Er begutachtete seine Füße, die bei jedem Schritt ein wenig versanken, bei jedem Heben ein wenig Weiß in die Luft wirbelten. Erste Schritte im Schnee verlieren nie an Zauber.
Mehr
 Gefällt mir Antworten
Anzeige

Kommentare

Noch keine Kommentare...
Nach oben

Datumseinstellungen

Heute ist Montag, 10. Dezember 2018

+ 1 -
+ 1 -
+ 2016 -

Schließen

Durch die Nutzung unserer Website erklären Sie sich mit der Verwendung der Cookies in unserer Cookie-Policy einverstanden.

Akzeptieren

Kurier

Schließen